Ein Jahr mit Locken

Wie oft habt Ihr heute eines dieser Worte schon gehört? Corona, Covid-19, Sars-Cov-2. Hört Ihr sie überhaupt noch bzw. wenn sie doch bis zu Euch durchdringen, kommt es Euch nicht langsam hoch? Durchhalten, ja. Noch einmal eine kurze Kraftanstrengung, ja. Bald haben wir alles hinter uns, ja ja ja!!! Peitschenbrot und Zucker… wer jetzt bis hierhin gelesen hat und dieses Heft nicht in weitem Bogen aus dem Fenster geworfen hat, für den oder die möchte ich mal ein Resümee ziehen, quasi einen Rückblick. Warum denn nun das schon wieder? Ist schon wieder Sylvester? Müssen wir unsere guten Vorsätze denn schon wieder anpassen? Nein, keine Angst. Gehen wir mal auf eine kurze Zeitreise…

…in den März 2020:

Wie jedes Jahr steht es an, das Skifahren mit dem Kumpel. In der Presse kommen erstmals diese seltsamen, oben erwähnten Worte an. Das Chinazeugs. Betrifft uns nicht. Apreski auslassen? Warum das denn, sind doch erst 40 Fälle in Deutschland?! Oder, Moment, da war doch noch diese Feier mit Verdachtsfällen in Baden-Württemberg? Egal, erstmal Party am Berg. Super genial wie immer, aber doch lieber ohne Apre Ski, hab mich durchgesetzt. Bier am Zimmer, dafür länger die Sauna im Haus genießen, auch mal ne Idee.

Hoffentlich ist der Scheiß bald vorbei. In zwei Wochen fahre ich dann mit meinem Sohn zum Skifahren … doch nicht. Eine Woche später sind die Lifte alle zu. Eine unserer früheren Apre Ski Ziele auf der schwarzen Liste, gern besuchte Skihütten im Fokus. Boah, jetzt geht es ab in Österreich, zum Glück bei uns nicht.

Äh, zu früh gefreut. Katastrophenfall, Merkel unerwartet im Fernsehen, in Rekordzeit ab ins Homeoffice. Kontaktverbot. Einzelhandel geschlossen. Sportvereine dicht. Schulen zu. Zum Glück haben die Getränkemärkte noch offen, und für die Frisur lassen wir uns noch was einfallen.

Kurzer Schock. Was sollen wir jetzt tun. Zaghaft kommt ein befreundeter Verein mit Onlinetraining daher, dreimal eine halbe Stunde Karate im Wohnklo. Was soll das denn bringen? Ok, hab es ausprobiert, hat mich gepackt. Mach ich halt mal mit. Gleichzeitig kommt die Idee auf, die eigenen Vereinskollegen mit Newslettern, Aktionen, Challenges, Workoutvideos am Ball zu halten. Schwitzen kann man auch im Lockdown. Die Gemeinschaft hält.

Der Frühling kommt, die Sportplätze werden für kleine Gruppen freigegeben. YES! Kurzfristig entsteht ein Notfalltrainingsplan. Wir sind wieder da. Auch mal bei Regen trainieren, geht schon. Und es geht weiter. Wir dürfen in die Halle. Erst mit wenigen Teilnehmern, dann immer ein paar mehr. Ausgefeiltes Hygiene- und Lüftungskonzept, Teilnehmer dokumentieren. Kontaktfrei eine Stunde Training. Echt eine Umstellung als Trainer. Plötzlich Training ohne Kontakt? Im Kampfsportsektor? Aber hey, was ist mit Grundschule, Form, Körperschulung. Plötzlich erinnert man sich an viele geniale Übungen und es flutscht. Die Woche in der Halle wird voller und voller, auch in die Kneipe dürfen wir. Die Welt fast wieder in Ordnung. Parallel dennoch immer Newsletter und Workouts, einmal Blut geleckt…

Die Inzidenzwerte steigen wieder, es wird Herbst. Training draußen nicht mehr möglich. Wieder Online bei Fredi. Zum Glück haben wir ja die VfL-Halle, Schulturnhallen waren das ganze Jahr geschlossen. Ja, die VfL-Halle, plötzlich ist sie auch wieder weg. Lockdown mit wenigen Kalorien, der dann aber Mitte Dezember doch wieder schwer verdaulich wird. Jetzt wieder den Sand in den Kopf stecken? Zurück aufs Sofa und das Netflixabo reaktivieren?

Über Nacht entsteht ein Onlinetrainingsplan … und er wird größer und größer. Befreundete Vereine arbeiten zusammen. Gemeinsam mit knapp 1000 anderen bei den Bundestrainern vom DKV trainieren. Mastertraining beim BKB, alles in meinem Keller. Workouttrainig, Kindertraining, Unterstufe, Oberstufe, Kumite. Kein Einknicken. Kopf hoch, Kampfschrei und ab durch die Wand. Niemand hält uns auf, nicht mal unsere Frisur. Kein Bonenkai dieses Jahr? Von wegen. Sogar mit anschließendem Gelage. Onlinekonferenz mit allen Leckereien die der Haushalt so hergibt. Ausgelassenes Quatschen nach einem heftigen gemeinsamen Onlinetraining. Echt stark. Wir richten eine virtuelle Kneipe ein. Wir planen, wir tüfteln, wir sind und bleiben da… alle an einem Strang, eine große Dojo-Gemeinschaft. Training mit alten Bekannten aus diversen Städten, sonst würde man diese monatelang gar nicht sehen.

Also, jetzt mal ein Fazit aus Sicht eines Anfang Februar 2021, quasi fast ein Jahr nach dem Gau. Alles schlimm? Zumindest was unser Dojo und unser Karate angeht kann man ganz klar sagen: nein! Es wird irgendwann wärmer, dann gehen wir wieder raus. Dann wieder in die Halle. Und wenn es wieder schlimmer werden sollte? Na und? Jetzt wissen wir wie es geht. Wie wir trotzdem wir bleiben können.

Hiermit möchte ich dann auch enden mit den Worten die es mich unter jeden Newsletter zwingt:
Keep strong – fight hard – never give up!

Reiner aus Eurem Kenshoteam

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