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Interview mit Erich Bilska zu 40 Jahre Kenshokan New

2025 hatte unser Dojo seinen 40. Geburtstag. Wir haben unseren Gründer und Karate Urgestein Erich Bilska zu dieser Zeit und seiner Zeit vorher befragt.

Wer also schon immer wissen wollte, wie Wintersport mit Karate zusammenhängt, wie eine Wursttheke unsere Gründung beeinflusste und warum Bayern wahrscheinlich einen tollen Judoka verloren, aber noch besseren Karateka gewonnen hat, sollte ab hier weiterlesen.

 

Hallo Erich, 40 Jahre Kenshokan, hättest Du das damals gedacht? Und was war in der Zeit vor Kenshokan?

Mit Sicherheit nicht, nein. Wer kann schon so weit in die Zukunft schauen? Ganz klar, wir haben gesagt, Karate ist eine tolle Sache. Ich war mit Freunden auf unzähligen Lehrgängen bei legendären Japanern wie der ehemalige Bundestrainer Hideo Ochi, mit dem ich heute noch guten Kontakt habe, Nakayama, Kanazawa, Enoeda usw. Das hat uns damals sehr geprägt.

Jeder kam irgendwo her, ich kam vom Judo. Das habe ich vom 14. bis 18 Lebensjahr bis zum Blaugurt gemacht. Viele andere kamen vom Boxen oder was weiß ich. Karate war damals der In-Sport, sicher beeinflusst durch die damalige Filmindustrie.

Karate hat mir schon immer besser gefallen, nicht dieses Am-Boden-rum-Gezerre, aber ich bin durch einen Freund erst zum Judo gekommen und bin immer durch die Karate-Halle rauf in den ersten Stock ins Judo-Dojo. Bei den Karate-Leuten ging es immer schlagen, treten, blocken und so weiter.

Und eines Tages war da kein Training, sondern war ein Tisch dagestanden. Ich ging hin und frage, „Wann habt ihr denn mal einen Anfängerkurs?“, sagt er „Heute ist die Einschreibung.“

An dem Tag habe ich mich eingeschrieben und bin seitdem nie mehr rauf ins Judo. Das war das letzte Mal.

Und dann habe ich da trainiert. Hart trainiert. Training damals war anders als heute, 100 Liegestütze zu Beginn, na und? 50 Mae Geri auf einem Bein stehend, wer absetzte, wurde heimgeschickt. Mein Trainer dort, das war ein Braungurt, der hat mich „geliebt“. Der hat mich immer zum Vormachen rausgeholt. Jetzt Kamae links vorne, rechts vorne, bäm, wieder aufs Goscherl und immer oft die Lippe blutig.

Irgendwie mochte er mich nicht. Aber war mir wurscht, ich habe mich durchgebissen. Und der Gag ist, wie ich frischgebackener Schwarzgurt war – er ist dann zum Studium nach München – noch immer als Braungurt, trafen wir uns dort auf einem Kumite-LG. Das ging nicht gut für ihn aus. Heute würde das ich nicht mehr so machen. Eigentlich müsste ich ihm dankbar sein, dass er mich so behandelt hatte.

 

Vor Kenshokan warst Du an der Gründung anderer Dojos beteiligt, oder?

 Ja, wir waren beim TV Jahn. Bruce Lee und East-Filme waren der große Anstoß und Renner, die haben die Hallen gefüllt wie nix. Das war der Wahnsinn. Ich weiß, ich hatte Anfänger-kurse beim TV Jahn und später beim KSCN. Beim Jahn hatte ich einen Kurs mit 85 Leuten. Verrückt.

Beim TV Jahn war anfangs der 80ziger die Vorstandschaft ein wenig am Wackeln und Abwandern. Und wie es so kam, plötzlich hatte die Karate-Abteilung den Vorstand übernommen. Fußball, alles war noch da, bloß wir waren plötzlich der Vorstand und standen nach Sichtung aller Unterlagen mit „einigen steuerlichen und finanziellen“ Altlasten da.

Das war der Grund, warum der KSCN (Karate Sport Club Nürnberg) gegründet worden ist. Wir waren damals, lass mich überlegen, knapp vor 500 Mitgliedern, 480 oder was.

Der größte Verein in Deutschland, da habe ich heute noch das Schreiben irgendwo. Damals war das schon der Beginn des DKV (Deutscher Karate Verband).

Zu der Zeit musste ein neuer Verein zwei Jahre warten, bevor er Hallen von der Stadt Nürnberg bekommt. Ob es heute noch so ist, weiß ich nicht.

Zwei Jahre Wartezeit, da haben wir gesagt, das schaffen wir nicht mit so vielen Leuten, wir brauchen ja die Hallen, die wir haben. Dann haben wir uns einem Wintersport-Club mit 28 Mitgliedern angeschlossen.

Mit 480 Mitgliedern rein in den Wintersport. Die waren natürlich happy, die haben gesagt, toll, Beiträge und so weiter. Und so sind wir weiter an die Hallen rangekommen. Weil es den Wintersport-Club schon länger als zwei Jahre gegeben hat. So kam der KSCN auf die Welt. Größte Abteilung im Wintersport-Club.

 

Du warst also schon sehr beschäftigt. Wie kam es dazu, dass Du unser Dojo gerade in Langwasser gegründet hast?

Ich habe in Langwasser ein Versicherungsbüro gehabt, und neben mir war eine Rechtsanwaltskanzlei. Der Chef dort war Emil Förster, eine bekannte Persönlichkeit in Langwasser.

Der war gleichzeitig Vorstand vom VfL. Wir haben geschäftlich viel miteinander zu tun gehabt. Und er hat gesagt, „Mensch, Erich. Du machst Karate? Mach doch bei uns mal eine Karateabteilung auf. Das brennt irgendwo und wir finden Niemanden, der das macht.“

Ich immer, „Ja gut, schauen wir mal, reden wir mal… Das war mir damals alles ein bisschen zu viel.“

Bis er mir eines Tages sagte, „Da hat einer angerufen, Der möchte gerne eine Karate-abteilung bei uns aufmachen. Was ist denn das für einer?“, da habe ich gesagt „Finger weg.“ und hatte nun die Pistole auf der Brust. Ein paar Tage später stand ich beim Metzger Scheitler an der Wursttheke als mich Otto Büttner, damals ein Vorstandsmitglied des VfL, ansprach. „Du ich habe mit dem Emil Förster gesprochen. Der hat gesagt, du, wärst jetzt soweit? Wie schaut das aus mit Karate?“

Ich habe gesagt, „Organisation kann ich nicht machen, das musst du machen. Du musst die Halle besorgen, du musst ein Plakat aufhängen und so weiter, weil ich weiß gar nicht, wo ich die Zeit hernehmen soll.“

Ich hatte einen Fulltime-Job, Familie, 2 Kinder, war im Landeskader aktiv, kurzfristig sogar im Bundeskader und wir waren dabei, unseren bayerischen Landes-Verband auf den Kopf zustellen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Sagt er „Ja, gut, mache ich. Ich mache den Karateabteilungsleiter.“ So wurde er der erste Abteilungsleiter, war ein ganz sympathischer Mensch, der Otto. Weilt leider schon lang nicht mehr unter uns.

Er hat das organisiert und ich komm dann in diese Halle rein: Da standen 58 Leute in der Halle, der Wahnsinn.

 

Im Endeffekt hattet ihr eine erfolgreiche Zeit, oder?

Das war eine tolle Zeit, ja. Und dann waren Anfragen für einen zweiten Kurs da. In konnte keinen zweiten Kurs halten, ich war auch noch mit dem KSCN usw. beschäftigt. Im KSCN waren schon lange Waldi Mucha und Martin Gawlik. Die zwei waren wie Brüder. Die haben als Blaugurte Katas entwickelt mit Anwendungen. Die waren richtig gut. Ich hab gefragt, „Ihr wohnt doch beide in Langwasser. Hat einer von euch Lust mit mir da das Ding aufzuziehen?“ Der Waldi war sofort bereit. „Ja, komm, mach ich.“

Waldi hat dann den zweiten Kurs gehalten und so kam das. Er war Braungurt damals. Auch sonst gibt es etliche Leute, die sich seit 40 Jahren gehalten haben oder immer wieder aufgetaucht sind.

 

Wie schnell sind wir denn gewachsen?

 Also im VfL waren wir im Lauf von drei, vier Jahren so um die 300 Mitglieder, schätze ich mal. Heute sind wir weniger, aber wenn ich das mit anderen Dojos in Bayern vergleiche, da sind wir immer noch eines der größeren Dojos.

Damals war die Zeit auch so mit den Filmen wie Bloodsport oder Bruce Lee Filme usw.

Zu Bloodsport, da hatte ich ja irre Informationen dazu bekommen. Da war ich mal auf einem Lehrgang mit einem älteren chinesischen Kung-Fu-Meister, der hat Tai-Chi und Kung-Fu gelehrt. Abends beim Bier hat er uns erzählt, die Idee zum Film Bloodsport kommt daher, weil in China werden alle zwei Jahre illegale Kämpfe ausgeführt vom Tai-Chi-Chuan. Das ist die Kampfform vom Tai-Chi, wo es jedes Jahr vier, fünf, sechs Tote gibt.

Verrückt. Und sein Meister, der hat schon zweimal dort gewonnen. Und einmal war er schwer verletzt. Bloodsport hatte also einen realen Hintergrund. Ob das heute noch so ist, weiß ich nicht. Das waren die 80er.

 

Hatten wir schon immer so eine tolle Halle? Oder wie war die Trainingsmöglichkeit vorher?

Ja, wir waren in städtischen Hallen. Die waren zum Teil auch nicht schlecht. Also auf jeden Fall besser als die Hallen, die wir beim KSCN oder beim TV Jahn hatten. Die Langwasser-Hallen hatten schon einen ganz guten Standard.

Irgendwann später kam der damalige Vorstand auf mich zu. Herbert Dötschel war ein cleverer Lenker. Berufsstadtrat. Hatte sehr viele gute Connections. Hat Zuschüsse bekommen von Tucher, von Siemens usw. Der hat richtig was gerissen. Der ist einmal mit einer Liste aufgetaucht und hat gesagt, „Was braucht ihr denn? Eine ganz große Halle können wir nicht bauen, aber was Kleines für Turner und Karate. Was stellst du Dir so vor?“

Ich dann: „Bitte keine Betonburg, lieber Holz. Bitte viele Fenster, dass Licht und Luft rein kommen. Von oben auch Tageslicht. Wenn es geht, einen Schwingboden und eine Fußbodenheizung. Und ein kleiner Kraftraum wäre auch nicht schlecht.“

Er so „Na ja, ich schreibe es mal auf.“

Ja, du weißt es selbst. Genau so kam es. Herbert hat da sehr viel für unsere Entwicklung und die Entwicklung des VfL getan. Da bin ich ihm heute noch dankbar.

 

Am Anfang waren wir einfach die Abteilung Karate im VfL Nürnberg e.V.. Wie und wann kamen wir zu unseren Namen Kenshokan und dem Logo?

Durch einen einsamen Tarifa-Urlaub und einem Buch vom Zen-Meister Suzuki. Da ging es so um Psychologie und das Zu-Sich-Selber-Finden.

Kensho heißt der „Weg zu sich selbst“. Sich selber erkennen. Wer bin ich und wo will ich hin? Und das hat mir gefallen, dieses Kensho. Das war ein ganz kleines Büchlein. Das habe ich immer wieder gelesen.

Dann bin ich wieder heimgekommen. Es gab damals Streit im Dojo wegen der Wettkampf-ausrichtung der Abteilung, wo wir gesagt haben, wir müssen uns irgendwie neu aufstellen.

Reiner, Stefan, Conni und andere im Dojo habe ich gefragt „Was haltet ihr davon, wenn wir uns einen neuen Namen geben? Die Schule des Zu-Sich-Selbst-Finden. Kensho-Kan. “Wir haben das gut gefunden und so haben wir das gemeinsam entschieden. Das war 2006.

Die Frage war. Machen wir so weiter? Oder entfernen wir uns vom Wettkampfkarate? Das war bis zu dem Zeitpunkt das A und O. Wir mussten auf jede Meisterschaft und Turnier und überall hinfahren. Früh um 5 Uhr raus, alle einsammeln, zig Kilometer fahren. Und so weiter. Und eigentlich lag mir der Breitensport, der Background des Karates, die Tiefe zu dem Zeitpunkt schon viel mehr am Herzen.

Damals kam auch gerade das Kyusho Jitsu auf. Das war so ein Zufall. Eigentlich hat alles gut gepasst. Ich war dann noch auf viele Lehrgänge mit diesem Professor Clark aus Texas. Das hat mich beeindruckt. Das war eine völlig neue Seite des Karates.

Ein neuer Weg tat sich auf. Dieses Klopfen und Hauen, Treten, Kick und Punch. Das hatte man doch schon hunderttausendmal gemacht.

 

Was waren in der Wettkampfzeit die größten Erfolge des Dojos?

In den Jahren mehrfache deutsche Meister. Im Einzel und in der Mannschaft.

Als es die Karate-Bundesliga noch gab, waren wir immer im vorderen Feld. Dann hatten wir sogar einen Vize-Europameister, das war Martin Grimm.

Ja, und später. Der Michi Bilska, der war mehrfacher Bayerischer Meister, deutscher Vize-Meister, mein Sohn, auf den ich sehr stolz bin.

Da tut sich schon immer wieder was.

Aber es ist nicht mehr soo forciert. Darüber bin ich ganz froh. Der Schwerpunkt ist eben im sogenannten Breitensport. Dies spiegelt sich auch im BKB (Bayerischen Karate Bund) wider. Nicht ohne Grund sind wir der größte Landesverband im DKV. Nur drei bis vier Prozent machen Spitzensport, Leistungssport, sprich Wettkampfsport.

Der überwiegende „Rest“ macht Breitensport und sucht und findet sich eben im täglichen Üben wieder. Neue Kata lernen und so weiter, auch eben Kenshokan.

 

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Klar, dass unser Dojo sich weiter gut entwickelt und wir weiterhin gute und vor allem sympathische Leute bekommen, die gut zu uns passen.

 

 

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